{"id":484,"date":"2026-03-30T18:03:01","date_gmt":"2026-03-30T18:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/under-a-rest.me\/?p=484"},"modified":"2026-03-30T18:03:01","modified_gmt":"2026-03-30T18:03:01","slug":"mein-spirit-animal-ist-ein-eichhoernchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/under-a-rest.me\/en\/mein-spirit-animal-ist-ein-eichhoernchen\/","title":{"rendered":"Mein Spirit Animal ist ein Eichh\u00f6rnchen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich ein Tier w\u00e4re, w\u00e4re ich ziemlich sicher ein Eichh\u00f6rnchen. Nicht dieses niedliche Waldtier aus Kinderb\u00fcchern.<br>Sondern das echte. Das hektische. Das mit den Backen voller N\u00fcsse, das gleichzeitig drei Dinge macht und schon die n\u00e4chste Idee hat, w\u00e4hrend andere noch \u00fcberlegen, wo sie ihre Jacke hingelegt haben. <br>Mein Grundmodus war lange: 400 %.<br>Nicht im Sinne von \u201eengagiert\u201c. Sondern im Sinne von: Ich mache einfach mehr. Mehr Projekte. Mehr Aufgaben. Mehr Tempo. Und ehrlich gesagt f\u00fchlte sich das f\u00fcr mich immer ziemlich normal an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Eichh\u00f6rnchen-Prinzip<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eichh\u00f6rnchen wirken manchmal chaotisch. Aber ihr Verhalten ist erstaunlich durchdacht. Ein paar Eigenschaften sind ziemlich beeindruckend:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Sie legen Vorr\u00e4te an. <\/strong>Eichh\u00f6rnchen verstecken tausende N\u00fcsse und Samen f\u00fcr sp\u00e4ter. Ein Teil wird wiedergefunden, ein Teil nicht. Letzteres sorgt \u00fcbrigens daf\u00fcr, dass neue B\u00e4ume wachsen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sie haben ein gutes r\u00e4umliches Ged\u00e4chtnis. <\/strong>Sie merken sich Gebiete, Muster und Verstecke.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sie sind unglaublich schnell. <\/strong>Sie bewegen sich durch komplexe Umgebungen mit einer Geschwindigkeit und Wendigkeit, die ziemlich beeindruckend ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sie passen sich st\u00e4ndig an. <\/strong>Wenn etwas nicht funktioniert, probieren sie etwas anderes.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Und sie arbeiten viel. <\/strong>Nicht im Sinne von Stress. Sondern im Sinne von Aktivit\u00e4t.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich ehrlich bin, erkenne ich mich in ziemlich vielen dieser Eigenschaften wieder. Mein Gehirn funktioniert \u00e4hnlich. Ich habe schon immer gerne Dinge organisiert. Prozesse verbessert. Abl\u00e4ufe optimiert. Systeme gebaut. Wenn ich gemerkt habe, dass etwas ineffizient l\u00e4uft, hat mich das fast k\u00f6rperlich gest\u00f6rt. Dann habe ich so lange daran geschraubt, bis es besser lief. In vielen Jobs bedeutete das ganz praktisch: Ich habe morgens vor dem ersten Kaffee mehr erledigt als andere bis zum Mittag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum? Keine Ahnung. Ich war schon immer gut im Zeitmanagement. Und sehr gut darin, Muster zu erkennen: Wenn ich etwas mehrfach machen muss, baue ich mir eine Abk\u00fcrzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eWie schaffst du das alles?\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage bekomme ich tats\u00e4chlich oft. Vor allem von anderen Menschen mit ME\/CFS. Sie sehen Dinge wie: den Verein, meine Ausbildung zur Heilpraktikerin, Teilzeitarbeit, Arzttermine, Organisation, Krankheit managen Und dann kommt fast immer die gleiche Frage: \u201eWie schaffst du das alles?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ehrliche Antwort ist: Ich mache l\u00e4ngst nicht mehr 400 %. Wenn ich realistisch bin, liege ich vielleicht bei 30 % von dem, was fr\u00fcher m\u00f6glich war. Aber hier kommt der Punkt: 30 % von 400 sind immer noch mehr als 30 % von 100. Mein Ausgangsniveau war einfach sehr sehr hoch und der Gro\u00dfteil dieser F\u00e4higkeiten ist noch da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Effizienz statt Energie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe heute viel weniger Energie. Also muss ich extrem effizient mit der Energie umgehen, die noch da ist. Das bedeutet: Ich perfektioniere Arbeitsabl\u00e4ufe. So wie ich es schon immer gemacht habe. Wenn ich merke, dass ich eine Aufgabe immer wieder mache, frage ich mich automatisch: Kann ich das automatisieren? Kann ich das vereinfachen? Kann ich das auslagern? Kann das jemand f\u00fcr mich erledigen? Kann ich mir Arbeit sparen? Dann entstehen Dinge wie: Excel-Makros, Automatisierungen in Outlook, KI, die mir Vorarbeit abnimmt oder Strukturen erstellt. Alles, was ich nicht jedes Mal neu denken muss, spart Energie. Und Energie ist bei ME\/CFS eine extrem begrenzte Ressource.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Struktur spart Energie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Punkt ist Struktur. Ich habe feste Zeiten. Feste Zeiten f\u00fcr Arbeit. Feste Zeiten f\u00fcr Schule. Feste Zeiten f\u00fcr organisatorische Dinge. Nicht, weil ich besonders diszipliniert sein will. Sondern weil mein Gehirn weniger Energie verbraucht, wenn Dinge planbar sind und dann auch wei\u00df wie ich mit meiner Energie haushalten kann. Ich plane ewig im Vorraus. Bei der Arbeit vergebe ich nur noch Timeslots, an die sich alle strikt halten m\u00fcssen. Jede Entscheidung kostet Energie. Wenn Abl\u00e4ufe gleich bleiben, brauche ich weniger davon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eichh\u00f6rnchen ruhen auch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und jetzt kommt ein Punkt, der beim Eichh\u00f6rnchen-Vergleich oft vergessen wird. Eichh\u00f6rnchen sind zwar unglaublich aktiv.<br>Aber sie ruhen auch viel. Sie halten keinen klassischen Winterschlaf wie manche andere Tiere. Sie gehen eher in eine Winterruhe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet: Sie ziehen sich zur\u00fcck, schlafen viel mehr, reduzieren Aktivit\u00e4t und leben von ihren Vorr\u00e4ten. Sie kommen zwischendurch raus, bewegen sich kurz, und ziehen sich dann wieder zur\u00fcck. Eigentlich ist das ziemlich nah an dem, was viele Menschen mit ME\/CFS versuchen m\u00fcssen: Energie sehr vorsichtig einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Urlaub geh\u00f6rt auch dazu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und bevor jetzt wieder jemand denkt oder sagt: \u201cSiehst du. Deshalb hast du ME\/CFS bekommen.\u201c Nein. Das ist kompletter Quatsch. Ich war kein Workaholic im Sinne von: Ich arbeite im Urlaub weiter. Ich mache nie Pause. Ich funktioniere nur. Ich habe Urlaub gemacht. Ich hatte Wochenenden. Und ich konnte auch komplett abschalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, im Urlaub haben wir uns oft viel angeschaut. St\u00e4dte, Landschaften, Dinge entdecken. Aber Erholung bedeutet nicht automatisch: zwei Wochen bewegungslos auf einer Sonnenliege im Luxusresort liegen. F\u00fcr manche Menschen ist Aktivit\u00e4t auch Teil von Erholung. Neues sehen. Drau\u00dfen sein. Unterwegs sein. Das eine schlie\u00dft das andere nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Eichh\u00f6rnchen im kleineren Wald<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke ich bin ich immer noch ein Eichh\u00f6rnchen. Nur eines mit deutlich kleinerem Aktionsradius. Fr\u00fcher war der ganze Wald mein Spielfeld. Heute ist es eher ein kleiner Bereich. Heute bin ich vielleicht eher das Eichh\u00f6rnchen was bei uns im Garten auf 1.000 Quadratmetern lebt. Aber ein paar Dinge sind geblieben: Die Neugier. Der Drang, Dinge zu organisieren und zu erledigen. Die Freude daran, Systeme zu bauen, die funktionieren. Fr\u00fcher habe ich 400 % gemacht. Heute vielleicht 30 %. Aber mein inneres Eichh\u00f6rnchen versucht immer noch, aus diesen 30 % m\u00f6glichst viele N\u00fcsse zu sammeln.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich ein Tier w\u00e4re, w\u00e4re ich ziemlich sicher ein Eichh\u00f6rnchen. 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